Positionspapier zur Garnisonkirche

Bündnis

 

 

 

 

für Mitbestimmung
in der Potsdamer Mitte

Der Schaden, der die Herde trifft, ist eine Schande für den Hirten.Hieronymus

 

Stadtmitte für Alle – Positionspapier zur Garnisonkirche

 

Die Bundestagswahl vom September 2017 hat neue gesellschaftspolitische Tatsachen in Deutschland geschaffen. Bezüglich des geplanten Wiederaufbaus der Garnisonkirche zeigt dieses Wahlergebnis ganz klar: Die Geschichte hat uns eingeholt! Der Beginn des Wiederaufbaus der Garnisonkirche – eines Symbols des preußischen Militarismus – in direkter zeitlicher Parallele zum erstmaligen Einzug der AFD in den Bundestag wirkt wie ein symbolisches Geschenk an die alten und konservativen Eliten und bietet sich den neuen Rechten als Aufmarsch- und Projektionsfläche, als Pilger- und Symbolort an.

 

Wir fordern deshalb einen sofortigen Baustopp!

 

Um als Stadtgesellschaft souverän und adäquat auf die neuen Gegebenheiten zu reagieren, müssen wir gemeinschaftlich noch einmal neu nachdenken: Wer entscheidet in dieser Stadt? Wie zukunftsfähig ist eine Stadt, die sich städteplanerisch in die Vergangenheit orientiert? Welche Gäste soll diese Stadt in Zukunft anziehen? Welche öffentliche Substanz soll den nächsten Generationen hinterlassen werden?

 

Kein Wiederaufbau der Garnisonkirche in historischer Gestalt

Unter dem Deckmantel der Schaffung eines Postkartenmotivs der “guten alten Zeit” wird mit dem Wiederaufbau der Garnisonkirche ein neues nationalistisches Denkmal geschaffen. Für diesen als  Versöhnungsort etikettierten Bau soll mit dem Rechenzentrum ein weiterer Gemeinwohlkomplex zerstört, die dort arbeitenden Potsdamer*innen aus ihrer Innenstadt verdrängt und ein weiterer Teil der jüngeren Baugeschichte der Stadt eliminiert werden. Damit wird die jüngste Geschichte auf unsägliche Weise wiederholt.

 

Keine Privatisierung von Gedenken

Bis heute gibt es keine angemessene kritische Aufarbeitung der Geschichte des Ortes in den Publikationen der Stiftung. Der Online-Wissensspeicher der Stiftung Garnisonkirche klammert die Geschichte der Kirche vor dem Ende des 2. Weltkrieges weitestgehend aus. Stattdessen generiert man sich als Opfer des SED-Unrechts und leitet daraus die Legitimation für den Wiederaufbau ab. Diese Leugnung der historischen Tatsachen kommt einer Geschichtsfälschung gleich und verhöhnt den viel beschworenen Versöhnungsgedanken.

  

Welche Rolle spielt die evangelische Kirche?

Versöhnung gelingt nur durch Aussöhnung mit der Geschichte. Dazu muss diese aber erst einmal konfrontiert werden. Seit ihrer Errichtung war die Garnisonkirche eine Militärkirche. Hier wurden Kriegshelden gefeiert, Heere geweiht, Kampfbeute präsentiert, für Siege gebetet, und sogar kurz vor Kriegsende noch die letzten Kindersoldaten Hitlers gesegnet – der Tag von Potsdam ist bei weitem kein singuläres Ereignis! Die evangelische Kirche schweigt bis heute zu ihrer Mitverantwortung. Geleugnetes Versagen als Teil der Versöhnungsgeschichte des Evangeliums? Kirchliches Geld gehört nicht in die Wiedererrichtung von „Täterarchitektur“!

 

Welche Rolle spielen die staatlichen Organe?

Die unsägliche Rolle der Stadt Potsdam bei der Stadtentwicklung ist hier exemplarisch. Mit der Schenkung des Grundstückes an die Kirche und mit ihrem Sitz im Kuratorium verletzt die Stadt Potsdam die in Deutschland geltende Trennung von Kirche und Staat. Die undemokratische Unterstützung der Stiftung wird auch bei dem intransparenten Umgang mit den über 14.000 Stimmen des Bürgerbegehrens gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche deutlich. Der mit der damaligen Annahme des Bürgerbegehrens verbundenen Verpflichtung, alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten auszuschöpfen und auf die Auflösung der Stiftung hinzuarbeiten, ist Potsdams Oberbürgermeister Jakobs bis heute nicht nachgekommen.

 

Symbol und Wirkung

Mit dem weitgehend unreflektierten Wiederaufbau dieser ehemaligen Militärkirche wird ein Symbol in der Potsdamer Mitte verankert, dessen zukünftige Ausstrahlung unvorhersehbar ist. Der geplante 88 Meter hohe, alles überragende Kirchturm setzt alle Proportionen des momentanen Stadtgefüges außer Kraft und wird die Spaltung der Stadt zu diesem Thema zukünftig in das Stadtbild einschreiben. „Symbole haben die innere Eigenschaft sich zu verselbstständigen.“ Diese Warnung der Pastorin Hildegard Rugenstein sollte sehr ernst genommen werden, denn unter den Befürwortern des Wiederaufbaus befindet sich auch die AfD Fraktion. Jede*r Befürworter- und Unterstützer*in des Wiederaufbaus der Garnisonkirche muss sich der eigenen Mitverantwortung bewusst sein: Das Symbol-Projekt bietet sich einer Bemächtigung durch die neuen Rechten als nationalistischer Aufmarschort geradezu an.

 

Unsere Forderungen

  • Als Bürger*innen der Stadt Potsdam fordern wir die umgehende Beendigung dieser Demokratieposse und einen sofortigen Baustopp.
  • Wir fordern einen Bürgerentscheid zur Nutzung dieses historischen Platzes, denn eine Versöhnung ohne die Mehrheit der Bevölkerung kann nie gelingen.
  • Wir verlangen die lückenlose öffentliche Aufklärung der rechtlichen Hintergründe zur Rolle der Stadt Potsdam. Dazu gehören die Veröffentlichung aller Fakten zur Schenkung des Grundstückes, zur bisher intransparenten Finanzierung (inklusive der jetzt angewiesenen zusätzlichen 375.000 Euro aus der Kasse für Schulen), zum aktuellen Stand der Baugenehmigung, sowie zum Umgang mit dem Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche.
  • Wir bestehen auf der vollständigen Darstellung der genauen Abläufe im Vorfeld der Sprengung 1968 inklusive eventuell akzeptierten Entschädigungszahlungen nach zustimmenden Gesprächen zwischen Kirche und SED.
  • Wir fordern eine fundierte, angemessene und wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte dieses Ortes, die auch Dokumentationen zum Preußischen Militarismus, zur Verbindung von Kirche, Staat und Militär und zur Rolle Potsdams in der NS-Zeit enthalten muss.

Stellungnahme – keine Subventionierung der Garnisonkirche!

Unsere Stellungnahme vom 06.10.2017 zum durch den OB Jann Jakobs eingebrachte Vorlage 17/SVV/0720, welche die Zahlung städtischer Gelder an die Stiftung Garnisonkirche vorsieht sowie zu den anhängigen Vorlagen der Fraktionen Grüne und CDU/ANW.

Subventionierung der Stiftung Garnisonkirche beenden – Beschlüsse einhalten!

„Kein städtisches Geld für den Wiederaufbau der Garnisonkirche“ liegt auch im aktuellen Bürgerhaushalt mit über 11.000 Stimmen ganz vorn. Der Antrag des Oberbürgermeisters an die Stadtverordnetenversammlung, welcher ab nächster Woche in den Ausschüssen beraten werden soll, ist jedoch ein weiterer Schritt zur Subventionierung der Stiftung Garnisonkirche (GK) durch die öffentliche Hand.

Die Stadt Potsdam hatte bereits das Grundstück, auf dem Turm und Schiff der Garnisonkirche entstehen sollen, an die Stiftung geschenkt. Auch der Erwerb des Rechenzentrums (RZ) durch die Stadt und die Umverlegung der Breiten Straße – beide aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert – stellen eine direkte Unterstützung der Stiftung dar.

Mit dem aktuellen Antrag der Stadtführung sollen rund 375 T€ an die Stiftung GK gezahlt werden. Angeblich um einen Mehraufwand auszugleichen, den die Stiftung durch die weitere Nutzung des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum hat. Der Antrag des OB stellt einen Verstoß gegen alle bisherigen Beschlüsse der SVV und der Bürgerhaushaltsvoten, die eine finanzielle Beteiligung der Landeshauptstadt am Kirchenbau ausschließen, dar. Auch rechtlich ist dieses Vorgehen bedenklich, da seitens der Stiftung Garnisonkirche kein Rechtsanspruch auf eine solche Zahlung besteht.

„Die Stiftung Garnisonkirche hat den bestehenden baulichen Einschränkungen, die abweichend zur Baugenehmigung zur Baufreiheit bestehen, selbst zugestimmt und diese somit billigend in Kauf genommen. Die Stiftung wusste zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses zur weiteren Nutzung des RZ bis 31.08.2018 bereits, dass sie in 2017 mit dem Bau beginnen will und muss, damit sie überhaupt noch eine Chance hat, den Turmbau im Rahmen der gültigen Baugenehmigung zu verwirklichen“ erläutert Carsten Linke.

Die Stiftung Garnisonkirche hat darüber hinaus ein Sonderkündigungsrecht zur Nutzung des Rechenzentrums. Davon hat sie bisher – aus gutem Grund – kein Gebrauch gemacht. Da die statischen und baulichen Untersuchungen ergeben haben, dass der Bau des Turms ohne den Teilabriss/Abriss des Rechenzentrums möglich ist, besteht auch kein rechtlicher Anspruch auf finanzielle Unterstützung der kirchlichen Stiftung.

André Tomczak, Sprecher des Bündnisses Stadtmitte für Alle, betont: „Sollte das Ziel des Oberbürgermeisters wirklich die Sicherung der langfristigen Nutzung des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum sein, so muss eine klare vertragliche Vereinbarung die Grundlage des weiteren Vorgehens sein – und nicht bedingungsloses „Erkaufen von Wohlwollen“. Gegenstand eines solchen Vertrages könnte der dauerhafte Verzicht auf den Bau des Kirchenschiffes sein, aber auch der Rückkauf des Grundstücksanteils auf dem das Rechenzentrum steht.“

Mit der Rückübertragung würde die Stadt wieder die Entscheidungshoheit über die weitere Nutzung des Gebäudes und die Zukunft der Kreativwirtschaft erlangen.

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Foto oben (c) BI für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Buchvorstellung „Architekturen des Gebrauchs“

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18.30 Uhr gemeinsamer Rundgang um die FH (Treffpunkt Alter Markt)
19.30 Uhr Buchvorstellung und Diskussion im Rechenzentrum Potsdam (Kosmos)

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Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Noch steht die Fachhochschule am Alten Markt in Potsdam. Da wir nicht wissen, wie lange noch, wollen wir (lieber früher als später) diese besondere Architektur genauer ansehen und darüber sprechen.

Schon vor Jahren hat uns die Ästhetik in und um das ehemalige Institut für Lehrerbildung fasziniert. Da es kaum Informationen zur Baugeschichte gab, haben wir selbst ein wenig recherchiert, fotografiert und mit Architekten von damals gesprochen. So wurde die FH Teil des von Christopher und Dina D. Falbe im Weimarer Verlag M Books herausgegebenen Buches Architekturen des Gebrauchs.

In diesem soeben erschienenen Buch zum Umgang mit der Nachkriegsmoderne, ist die FH allerdings nur ein Beispiel von mehreren aus dem Osten und Westen Deutschland. Wenn wir dieses Buch nun in Potsdam vorstellen, wollen wir die Geschichte der FH auch in diesem Kontext zeigen.

Dass eine Umdeutung und Umnutzung politisch vorbelasteter Bausubstanz möglich ist, und warum sich dies lohnen kann, zeigt der Blick auf die ehemalige SED-Parteischule in Erfurt. Warum die Architektur der 1960er und 1970er Jahre auch im ehemaligen Westen Deutschlands auf Ablehnung stößt, können wir an weiteren Beispielen diskutieren.

Dazu laden wir herzlich ein!

18.30 Uhr gemeinsamer Rundgang um die FH (Treffpunkt Alter Markt)
19.30 Uhr Buchvorstellung und Diskussion im Rechenzentrum Potsdam (Kosmos)

 

Mit dabei sind neben den Herausgebern:
*Hiltrud Berndt (Architektin der Grünanlage „Staudenhof“)
*André Tomczak (Sprecher der Initiative ‚Potsdamer Mitte neu denken‘)
*Christian Klusemann (Herausgeber des Buches „Das andere Potsdam“)

Dass das Buch „Architekturen des Gebrauchs“ überhaupt erscheinen konnte, verdanken wir vielen Privatpersonen, die unsere Crowdfunding-Kampagne über Startnext unterstützt haben. Neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat auch die Kulturlobby Potsdam das Projekt großzügig unterstützt und macht damit auch diese Veranstaltung möglich.

Der Staudenhof lebt!

CONCRETE FIELDS – DER STAUDENHOF LEBT

Schon ‚ein letztes Mal‘?
STAUDENHOF
Ein Haus und ein Garten, von Zeit gezeichnet
von Begegnung, Klang und Bewegung gefüllt
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Versammlung des Bündnisses Stadtmitte für Alle
Information und Diskussion + Konzert mit Tanzperformance

19:00 Uhr EINKLÄNGE und GESPRÄCHE – was passiert hier?
20:00 Uhr Konzert und Performance „CONCRETE FIELDS“
Die Band CEEYS im Dialog mit Tanz von Anita Twarowska und Projektionen

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Warum?

Die Grünanlage Staudenhof zwischen dem FH-GEbäude und dem Wohnhaus Am Alten Markt 10 – ebenfalls Staudenhof genannt – soll noch im September hinter einem drei Meter hohem Zaun verschwinden.

Damit wollen die Verantwortlichen in der Stadt Potsdam – die Grünen, SPD und CDU – jeden Zweifel ausräumen, wem die Potsdamer Mitte künftig gehören soll. Öffentliches wird privat, aus Bildung wird Konsum.

Intakte, wandlungsfähige Gebäude wie das Rechenzentrum und die FH werden zum Abriss erworben (oder sollen wie das Mercure zum Abriss erworben werden), ohne sie in einem 28 Jahre währendem Prozess einmal ernsthaft auf Ihre Qualitäten befragt zu haben.

Nach der hastigen Demontage der FH-Sterne ist die Grünanlage Staudenhof das nächstes Opfer der Potsdamer Kahlschlag-Koalition. Ein Zaun soll kommen, hinter dem vierzig Jahre Leben und Begegnung, Nische und Verbindung verschwinden. Um Freiheit für Demontage, Zer- und Enttrümmerung zu schaffen. Damit man dort in zehn Jahren in ein Café gehen kann.

Neben dem Grün geht es zugleich dem Wohnhaus Staudenhof an die Pelle: es bleibt künftig nur noch über einen schmalen Zugang begehbar, verfällt weiter nach Plan und wird gerade bereits zusehends entmietet. Erst 2022 soll die Entscheidung über Abriss oder Erhalt fallen – aber schon jetzt werden Fakten geschaffen.

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Die öffentlichen Häuser Staudenhof, FH und Rechenzentrum sind einmalige Chancen für Potsdam und das Land Brandenburg. Ihr Erhalt würde der Wissenschafts- und Welterbestadt gleich in welcher Form gut zu Gesicht stehen. Wir fordern ihren Erhalt und Mitbestimmung in der Potsdamer Stadtentwicklung!
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Veranstaltungsfoto (C) Simon Lütgemeyer

Der Elefant im Raum

Am 13.09.2017 entschied die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung über einen Antrag der LINKEN, eine Bürgerbefragung zum FH-Gebäude durchzuführen. Jeannette Jacob, unter anderem im Bündnis Stadtmitte für Alle aktiv, nutzte die Gelegenheit um bildlich und persönlich für ein Umdenken zu werben:

„Sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

mein Name ist Jeannette Jacob, ich bin Grafikdesignerin, Absolventin der FHP. Wenn mir jemand vor einem Jahr erzählt hätte, dass ich hier vor Ihnen stehen werde, ich hätte ihm nicht geglaubt. Wenn mir jemand vor einem Jahr erzählt hätte, dass ich mich in den Vorstand eines Vereins im Rechenzentrum und eines Vereins auf dem Brauhausberg wählen lassen werde, ich hätte ihn belächelt.

Aber ich stehe heute nicht als Vereinsmitglied sondern als Bürgerin dieser Stadt vor Ihnen: Die Art wie Sie mit den Bedürfnissen und den Ängsten der Potsdamerinnen umgehen, hat mich aus meiner Komfortzone gelockt und lässt mich heute hier ins Licht der Öffentlichkeit tre­ten. Interessanterweise bin ich Ihnen dafür sogar dankbar.

Vielen Dank also. Ihre Stadtpolitik hat mich aufwachen lassen. Und um mich herum sehe ich Menschen, die ebenfalls zu sich kommen, die merken, dass die Vertreter, denen sie einst ihre Stimme gaben, nicht in ihrem Sinne handeln, dass sie sich scheinbar NICHT für das Gemein­wohl dieser Stadt einsetzen. Sie merken, dass sie selbst kompetent sind und selbst am besten wissen, in welcher Stadt sie leben möchten, wo und mit wem sie zusammenarbeiten und wie sie ihr Wohnumfeld gestalten möchten.

Ich bin eine von ca. 15.000 Stimmen, die in dieser Stadt nicht gehört werden. Ich bin eine von ca. 15.000 Unterschriften, die in dieser Stadt nicht gesehen werden. Im englischsprachigen Raum gibt es den Begriff „The elefant in the room“. Eine Methapher für ein offensichtliches Problem, dass alle kennen, aber keiner ansprechen will.

Hier steht ein gigantischer Elefant im Raum. Einige sehen ihn ganz deutlich, andere sehen konsequent an ihm vorbei. Manche behaupten so­gar sie wüßten nicht, wovon hier überhaupt die Rede ist. Dabei ist er so groß, dass sogar die Menschen auf der Straße ihn sehen können. Etwa 15.000 Bürgerinnen haben mit ihrer Unterschrift bezeugt, dass er da ist. Tausende andere sehen ihn auch, doch wundern sich schweigend. Nur eine kleine Anzahl PotsdamerInnen guckt angestrengt zur Seite.

Sie haben dem Elefanten noch vor der Jagdsaison einen Streifschuss verpasst. Haben ihm das Elfenbein abgenommen und an die Trophäen­sammler verteilt. Doch der Elefant lebt und er wird größer Tag für Tag. 15.000 Menschen stehen um ihn herum und auch ihre Zahl wächst Tag für Tag. Menschen, die wie ich endlich aufgewacht sind und ganz klar sehen, dass dieser Elefant – dieses Fachhochschulgebäude, um es mal beim Namen zu nennen – die Antwort auf so viele Probleme in dieser Stadt ist. Die Lösung für die Raumprobleme so vieler Einrichtungen, z.B. EINE mögliche Lösung für die Standortsuche für die Kunst­ und Kreativwirtschaft, für die Potsdamer Musikszene, eine Lösung für eine sich neu gründende Schule, für Kindertagesstätten, für Galerien, für Räume für Sportvereine und Tanz­ und Bewegungsgruppen, für eine Kletter-­ und Boulderhalle, für die Arbeiterwohlfahrt, für die MedienWerkstatt Potsdam, für ein Mitmachmuseum, für Kongress­- und Tagungssäle, für die Potsdamer Wissenschaftslandschaft, für Kinder­- und Jugendbildungseinrichtungen, für Büros und Werkstätten u.s.w. und JA, auch für soziales Wohnen und niedrigpreisige Gastronomie – für einen Ort für Alle, für die Vielfalt in der Stadtmitte.

Andere Städte wie Berlin oder Wien machen es uns längst vor. Wieso glaubt die Stadt Potsdam sich an dieser Stelle einen großen blinden Fleck – oder besser – barocken Fleck leisten zu können? Anstatt das Vorhandene zu bewahren, suchen Sie die Lösung in Gebäuden, die Ihnen noch nicht einmal gehören, überlegen Sie ernsthaft den Ankauf von teuren Immobilien oder den zeit­- und kostenintensiven Neubau von Ge­bäuden, die nur unzureichend den wirklichen Bedarf decken werden.

Die Menschen fragen sich auch, was passiert, wenn Sie die „Big five“ erlegt haben werden? Wenn nach dem Elefant auch das Nashorn, die Giraffe, der Löwe und der Leopard geopfert wurden, wenn also die Fachhochschule, das Rechenzentrum, das Mercure, die Schwimmhalle und das Minsk dem Erdboden gleich gemacht sein werden, werden Sie dann aufhören? Ist dann ihr Jagdeifer gestillt?

BITTE öffnen Sie Ihre Augen JETZT! – noch besser: öffnen Sie Ihre Herzen! Ändern Sie für einen Moment Ihre Perspektive und sehen Sie genau hin! Dann sehen Sie die Gemeinschaft, die Vielfalt, die Kreativität und das Engagement der Menschen in dieser Stadt.

Gehen Sie auf sie zu! Sie werden Ihnen dafür dankbar sein. Sie werden Sie mit offenen Armen empfangen, sie warten geradezu darauf. BITTE geben Sie uns allen noch die Zeit zum Durchatmen, zum Zusammenkommen, zum GEMEINSAMEN Gestalten dieser Stadt. Fragen Sie die Bürgerinnen nach Ihrer Meinung! Haben Sie den MUT zu einer echten, einer wahren Bürgerbeteiligung!

Demokratie ist ein dynamischer Prozess. Die Umkehrbarkeit politischer Entscheidungen ist ein Zeichen einer sich weiter entwickelnden Poli­tik und Stadtgesellschaft. Gegenseitiger Respekt und Anerkennung ein Zeichen wahrer Autorität.

Albert Einstein sagte einst: „Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.“ Das mag sein. Aber durch ihn wissen wir auch, dass Zeit relativ ist. ES IST ALSO NIE ZU SPÄT.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“

 

Leider fand der Antrag der Linken keine Mehrheit – die Verantwortlichen fahren weiter „Augen zu und durch“. Zur vor der Sitzung stattfindenden Kundgebung vor dem Rathaus berichtet Potsdam TV

Druckfrisch – Hallo Potsdam!

Die neue Ausgabe des Stadtmagezins „Hallo Potsdam“ ist da!

Auf 12 Seiten berichten sich die AutorInnen der „Initiative kritisches Potsdam“ aus den Hinterzimmern der Macht, streiten über Mieten und Bürgerbeteiligung, zeigen sich informativ, satirisch und wütend und werben dafür, zur Mietenstopp – Demo am 15. September auf die Strasse zu gehen!
Selbst der Oberbürgermeister hat uns wieder ein Interview gegeben und unsere ZeichnerInnen haben ihr Bestes für ein schönes Abbild der Stadtpolitik gegeben.
Die neue Zeitung bekommt Ihr im Sputnik, im Freiland, im Rechenzentrum und natürlich in den vielen selbstorganisierten Projekten der Stadt.

24-Stunden-Staffel gegen die Privatisierung der Potsdamer Stadtmitte

Startschuss Freitag, 8.09.2017, 18 Uhr – Zieleinlauf Samstag, 9.09.2017, 18 Uhr

rund um die Fachhochschule (FH) an Potsdams neuem Alten Markt

Sa.17:00 Uhr Abschlussveranstaltung, Beats und Jam-Session

Wir sind 24 Stunden für die #FH und eine Stadtmitte für Alle auf den Beinen: Am Fr.08.09. fällt um 18:00 Uhr der Startschuss, am Sa.09.09. ist um 18:00 Uhr der Zieleinlauf. Mit Bannern und Plakaten, im Kostüm oder im Trikot – wir demonstrieren unseren Wunsch, dass die Potsdamer*innen über ihre Stadtmitte entscheiden sollen diesmal sportlich!

Gegen den Ausverkauf der Innenstadt und Potsdams Stadtentwicklung mit der Abrissbirne könnt auch Ihr ein Zeichen setzen:

Übernehmt den Staffelstab für 15 oder 30 Minuten!

Am Freitag kommt bereits um 17:00 Uhr der RBB mit dem Robur-Bus zum Stadtumbau-Krisengespräch – wir bitten hier um Eure und Ihre Statements! Um 18:00 fällt der Startschuss einer einzigartigen Rallye während Laternen, Banner, Schilder und Kostüme entstehen.

Um 20:00 Uhr gehen wir mit Laternen um die FH, dann laufen und rollen wir durch die Nacht! Am Samstag drehen wir zudem ab 10:00 Uhr #Extrarunden wegen Höcke!

Vor Ort – mit Euch #stadtmitte4alle – hier geht was!

#Mundtot Gemachte

Mundtot Gemachte besuchen Mitteschöns Dinner-Demo am Alten Markt, 27.08.2017

Lest und schaut selbst:

Ausgezeichnet erfasst und bebildert: Märkische Allgemeine Zeitung vom 27.08.2017

Die PNN schwelgen im Mitteschön-Zauber, bekommen die mundtot Gemachten aber auch zu sehen

 

Hier die MAZ vom 26.08. zur Demontage der Sternraster der Fachhochschule und der vorgesehenen Vergabe „an Jedermann“. sowie unseren offenen Brief an die Pro Potsdam bezüglich der FH-Sterne.

(c) Foto oben und unten Pet Raddatz, Mitte André Stiebitz

Betrifft: FH-Sternfassaden. Offener Brief an die Pro Potsdam

Offener Brief von André Tomczak,
Kunsthistoriker M.A., Potsdam
an die
Pro Potsdam GmbH
Sanierungsträger Potsdam GmbH
Pappelallee 4
14469 Potsdam

Sternfassade der FH – AUSGABESTOPP!

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
aus der Presse erfuhren ich und viele Menschen heute überraschend, dass die Elemente der Sternrasterfassade der FH beliebig an Privat abgegeben werden sollen:
Ich muss Ihnen sagen, dass ich das für den fatal falschen Weg halte. Ich frage mich, warum Sie keinerlei Gespür für die Situation haben: Es handelt sich beim FH-Gebäude um öffentliches Eigentum, seine Sternfassade hat sich in den vergangenen Jahren zum zentralen Symbol für den Widerstand gegen Ihre Art der Stadtentwicklung mit der Abrissbirne entwickelt. Die Elemente jetzt einfach zu verteilen, an die die am lautesten „Hier!“ schreien kann nicht der richtige Umgang sein. Wenn eine Abgabe „einfach so“, ohne Gründe erfolgen soll, oder auch zur Beschwichtigung – müssten dann nicht vor allem die von Ihnen aktiv bedacht werden, die sich für das Haus und seine Potenziale in den letzten Jahren stark gemacht haben?
 
Ist Ihnen nicht bewusst, wie unsensibel bis ignorant Sie sich gegenüber dem Wert öffentlichen Eigentums und den Wiederaufbaubemühungen der Nachkriegszeit zeigen? Ist Ihnen nicht bewusst, wie stark Sie das Haus und seine Elemente ohne Not entwerten und zum Sammlerstück degradieren?
 
Stoppen Sie die Ausgabe der Elemente! Es braucht jetzt ein transparentes Verfahren zur Vergabe dieser Elemente. Es muss nachvollziehbar sein, warum wer was bekommt. Es kann nicht sein, dass jetzt die symbolträchtigsten Teile der FH einfach so bei Privat verschwinden.
 
Warum das Barberini Elemente bekommen soll ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Besonders hier müssen Sie alle sich den Vorwurf gefallen lassen, Trophäen auszustellen. Sie teilen das Wichtigste der FH als Souveniers an eine für Sie alle sicherlich kritische Zeit aus, während Sie der Debatte um Gemeinschafteigentum aus dem Weg gehen und den Wert der Nachkriegsmoderne weiterhin pauschal verleugnen.
 
Halten Sie ein, lassen Sie uns reden. Die FH gehört zu den denkmalwürdigen Gebäuden der Potsdamer Nachkriegsmoderne. Jetzt diese Elemente zum Souvenier und Dekoelement, zur Trophäe und zur Ware (wie wollen Sie einen Weiterverkauf unterbinden?) zu machen ist der denkbar falsche Weg und zeugt von grundsätzlich mangelndem Gespür für die Tragweite der gegenwärtigen Prozesse und Debatten.
Ich bitte um eine Stellungnahme, nehmen Sie das bitte ernst – es ist schon genug Schaden entstanden.
Mit freundlichen Grüßen,
André Tomczak
Bild oben (c) Adam Sevens, Potsdam
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Nachtrag – Information „offener Brief“

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
ich möchte Sie informieren, dass ich mich entschieden habe, meine Mail an Sie zum offenen Brief zu machen. Es ist für mich unhaltbar, wie Sie mit diesem sensiblen Thema umgehen. Soll Ihre Vergabe an alle die „Hier“ rufen jetzt allen Ernstes Ihr direktdemokratischer Beitrag sein?

Ich bitte Sie: öffnen Sie ein Forum, in dem gemeinsam und auf Augenhöhe über den Verbleib der Sternelemente gesprochen wird. Ich stehe, wir stehen Ihnen jederzeit zum Gespräch bereit. Lassen Sie hierzu bitte am Montag telefonisch einen Termin vereinbaren.
Mit besten Grüßen,
André Tomczak

0172 43 69 152

Pressemitteilung „Sternfassaden der Fachhochschule“ 23.08.’17

Das Bündnis ‚Stadtmitte für Alle‘ und die Initiative ‚Potsdamer Mitte neu denken‘ fordern die Verantwortlichen der FH Potsdam, der Stadtverwaltung und des Sanierungsträgers auf, die Pläne zum Abriss der FH und insbesondere zur Demontage der charakteristischen Sternfassaden der FH am Alten Markt auszusetzen.

Der gesellschaftliche Diskussionsprozess über einen Abriss oder eine Nachnutzung des FH-Gebäudes ist keineswegs abgeschlossen – wir fordern die Verantwortlichen deshalb auf, nicht voreilig Fakten zu schaffen und damit weiteren Schaden anzurichten.

Es steht außer Frage, dass das Sternraster der FH als Element von „Kunst am Bau“ einen fundamentalen Beitrag zur hohen architektonischen Qualität des Hauses leistet. Zweifellos hat es sich in den vergangenen Jahren – nicht zuletzt als Siebdruck- und Aufklebermotiv – zu einem starken Symbol für den breiten gesellschaftlichen Widerspruch zum geplanten Abriss entwickelt. Wir halten es für verfehlt, das Gebäude nun ohne Not und vor der Zeit zu entstellen indem man es seiner charakteristischen Sternraster beraubt.

Eine Übergabe von Elementen der Rasterfassade an das private Museum Barberini lehnen wir grundsätzlich ab: Die Übergabe der nunmehr hoch symbolträchtigen Fassadenelemente an eines der Flaggschiff-Projekte der umstrittenen Rekonstruktion ist für uns der Ausdruck einer Siegermentalität, wie sie Potsdam auch im FAZ-Artikel 10.04.2017 (1) bescheinigt wurde.

In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten werden wir alles tun, um den Beginn des Abrisses der Fachhochschule zu verhindern. Wir rufen alle Initiativen und engagierten Menschen auf, sich diesen ersten symbolischen Abrissschritten entgegenzusetzen. Der Politik der vollendeten Tatsachen – Sofortrauswurf aller Nutzer*innen, Einzäunung, Versiegelung der FH ignoriert die gesellschaftliche Debatte. Wir werden dieser Politik auch weiterhin mit Information, Protest und Interventionen begegnen!

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(1) siehe http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/stadtplanung-make-potsdam-schoen-again-14953237.html