Betrifft: FH-Sternfassaden. Offener Brief an die Pro Potsdam

Offener Brief von André Tomczak,
Kunsthistoriker M.A., Potsdam
an die
Pro Potsdam GmbH
Sanierungsträger Potsdam GmbH
Pappelallee 4
14469 Potsdam

Sternfassade der FH – AUSGABESTOPP!

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
aus der Presse erfuhren ich und viele Menschen heute überraschend, dass die Elemente der Sternrasterfassade der FH beliebig an Privat abgegeben werden sollen:
Ich muss Ihnen sagen, dass ich das für den fatal falschen Weg halte. Ich frage mich, warum Sie keinerlei Gespür für die Situation haben: Es handelt sich beim FH-Gebäude um öffentliches Eigentum, seine Sternfassade hat sich in den vergangenen Jahren zum zentralen Symbol für den Widerstand gegen Ihre Art der Stadtentwicklung mit der Abrissbirne entwickelt. Die Elemente jetzt einfach zu verteilen, an die die am lautesten „Hier!“ schreien kann nicht der richtige Umgang sein. Wenn eine Abgabe „einfach so“, ohne Gründe erfolgen soll, oder auch zur Beschwichtigung – müssten dann nicht vor allem die von Ihnen aktiv bedacht werden, die sich für das Haus und seine Potenziale in den letzten Jahren stark gemacht haben?
 
Ist Ihnen nicht bewusst, wie unsensibel bis ignorant Sie sich gegenüber dem Wert öffentlichen Eigentums und den Wiederaufbaubemühungen der Nachkriegszeit zeigen? Ist Ihnen nicht bewusst, wie stark Sie das Haus und seine Elemente ohne Not entwerten und zum Sammlerstück degradieren?
 
Stoppen Sie die Ausgabe der Elemente! Es braucht jetzt ein transparentes Verfahren zur Vergabe dieser Elemente. Es muss nachvollziehbar sein, warum wer was bekommt. Es kann nicht sein, dass jetzt die symbolträchtigsten Teile der FH einfach so bei Privat verschwinden.
 
Warum das Barberini Elemente bekommen soll ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Besonders hier müssen Sie alle sich den Vorwurf gefallen lassen, Trophäen auszustellen. Sie teilen das Wichtigste der FH als Souveniers an eine für Sie alle sicherlich kritische Zeit aus, während Sie der Debatte um Gemeinschafteigentum aus dem Weg gehen und den Wert der Nachkriegsmoderne weiterhin pauschal verleugnen.
 
Halten Sie ein, lassen Sie uns reden. Die FH gehört zu den denkmalwürdigen Gebäuden der Potsdamer Nachkriegsmoderne. Jetzt diese Elemente zum Souvenier und Dekoelement, zur Trophäe und zur Ware (wie wollen Sie einen Weiterverkauf unterbinden?) zu machen ist der denkbar falsche Weg und zeugt von grundsätzlich mangelndem Gespür für die Tragweite der gegenwärtigen Prozesse und Debatten.
Ich bitte um eine Stellungnahme, nehmen Sie das bitte ernst – es ist schon genug Schaden entstanden.
Mit freundlichen Grüßen,
André Tomczak
Bild oben (c) Adam Sevens, Potsdam
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Nachtrag – Information „offener Brief“

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
ich möchte Sie informieren, dass ich mich entschieden habe, meine Mail an Sie zum offenen Brief zu machen. Es ist für mich unhaltbar, wie Sie mit diesem sensiblen Thema umgehen. Soll Ihre Vergabe an alle die „Hier“ rufen jetzt allen Ernstes Ihr direktdemokratischer Beitrag sein?

Ich bitte Sie: öffnen Sie ein Forum, in dem gemeinsam und auf Augenhöhe über den Verbleib der Sternelemente gesprochen wird. Ich stehe, wir stehen Ihnen jederzeit zum Gespräch bereit. Lassen Sie hierzu bitte am Montag telefonisch einen Termin vereinbaren.
Mit besten Grüßen,
André Tomczak

0172 43 69 152

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2 Kommentare

  1. Dem Schreiben kann ich nichts hinzuzufügen und schliesse mich an. Es tut weh dem Verfall seiner Heimatstadt in dieser Weise zusehen zu müssen. Auch die DDR- Architektur ist schützenswert. Bitte akzeptieren und respektieren Sie die Meinung der Bürger, nicht nur derer die das Geld haben in dieser Stadt.

  2. Pingback:#Mundtot Gemachte – Stadtmitte für Alle

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