Rückblick 2017 / Ausblick 2018

Ein ereignisreiches jahr 2017 neigt sich seinem Ende. Zeit, dieses aufregende und politische Jahr Revue passieren zu lassen und einen Ausblick auf 2018 zu wagen.

Das Bündnis „Stadtmitte für alle“ hat im Jahr 2017 die Konflikte und Probleme der Entwicklung in der Mitte Potsdam auf die Tagesordnung gesetzt. In diesem Jahr wurde endlich wieder über Fragen jenseits von Stadtbild und Ästehtik diskutiert. Völlig unterschiedliche Positionen zur Zukunft der Stadtmitte wurden kennen gelernt, gehört und gelesen. Mit der Auseinandersetzung um das FH-Gebäude wurde sichtbar, wie stark Potsdam gesellschaftlich verbindende Funktionen in ihrem Zentrum braucht und welche Chancen sich für das Land Brandenburg und die Wissenschaftlslandschaft aus einer Nachnutzung des Hauses ergeben können.

Unsere Position bleibt in dieser Frage: Keine weiteren Privatisierungen, keine neuen Kopien einer barocker Fassaden, kein weiterer Abriss nutzbarer Bausubstanz – Stadtmitte für alle! Wir haben wir diese laut und kreativ, inhaltlich gut begründet und mit breiten Netzwerken präsentiert: Wir haben in Protestcamps, selbstorganisierten Bürgerversammlungen, mit Demonstrationen und einem 24-Stunden-Staffellauf auf die gesellschaftlichen Fragen in der Mitte aufmerksam gemacht und für Mitbestimmung gestritten. Mehrere Tausende Menschen haben sich beteiligt, die Aktion der „mundtot Gemachten“ und die Zeitung „Hallo Potsdam“ wurden in ganz Potsdam bekannt.

Das hat Spaß gemacht und war sehr motivierend, so viele engagierte Menschen zu erleben die sich für die Zukunft ihrer Stadtmitte einsetzen.

 

Gleichzeitig mussten wir 2017 unfassbare Ignoranz erfahren:

Über die gesellschaftlichen Diskussionen zur Entwicklung der Stadtmitte haben Medien im ganzen Land berichtet: Spiegel (1), FAZ (2), arte (3), der RBB (4) und viele andere haben intensiv berichtet. Architekten wie P. Kulka haben sich zu Wort gemeldet, Stiftungen wie die Martin Niemöller Stiftung und viele, viele mehr haben gesagt wie wir: Hört auf, diese Stadtmitte als „schönes“ Museum umzubauen, in der viele BürgerInnen Potsdams, ihre Vereine, ihre Kultur und ihre Bildung keinen Platz mehr haben – setzt euch mit den wirklichen Herausforderungen dieser Stadt auseinander und erkennt auch die Nachkriegsentwicklung Potsdams als legitimen Bestandteil der Stadtgeschichte an!

Leider zeigte diese starke, überregionale Kritik an den Potsdamer Kahlschlagsanerungen keine Wirkung auf die Entscheider*innen in dieser Stadt: Jetzt soll die Fachhochschule doch abgerissen und ihre Grundstücke privatisiert werden, die Garnisonkirche wird trotz aller Proteste, großer inhaltlicher Widersprüche und ungeachtet der vielen Stimmen bei allen Bürgerhaushalten doch wieder aufgebaut, die Siedlung Brauhausberg trotz aller Bemühungen der BewohnerInnen teuer saniert. Unsere Kritik am Potsdamer Stadtumbau wurde als nostalgisch motiviert abgetan, Fragen der Nachhaltigeit – v.a. zum Umgang mit öffentlichem Eigentum und intakter Bausubstanz und zu Mitbestimmung – ignoriert.

Selbstverständlich führt dies auch in unseren Reihen zu Wut, Enttäuschung und Resignation. Es ist wirklich krass, wie die Politik in dieser Stadt mit dem Engagement ihrer BürgerInnen umgeht, wie sie die Stadt spaltet und eine Stadtentwicklung durchsetzt, die nichts mit Beteiligung, Nachhaltigkeit und Solidarität zu tun hat.

 

Gerade deshalb und jetzt erst Recht: auch in 2018 ist mit uns rechnen!

Zuerst werden wir alles daran setzen der Stadtgesellschaft das FH-Gebäude zurückholen: Inzwischen haben wir alle Finanzierungszusagen für unser Kaufangebot für das FH-Gebäude (5) vorzuliegen. Bald sind die Schadstoffe im Inneren beseitigt, im Februar 2018 werden wir ein neues Kaufangebot für nach wie vor nutzbare Substanz der Fachhochschule abgeben. Noch sind am Haus keine Arbeiten erfolgt, die nicht ohnehin im Zuge einer Sanierung nötig sind und noch entstehen der Stadt aus dem Vergabeverfahren der Grundstücke keine zwingenden rechtlichen Verbindlichkeiten.

Wir werden 2018 alles dafür tun, den Wiederaufbau der Garnisonskirche beenden und das Rechenzentrum für eine kreative, emanzipatorische Nutzung von Menschen sichern. Wir werden unsere Ideen und Konzepte für eine lebendige und offene Stadtmitte für alle zur Diskussion stellen. Mit diesen Konzepten und weiteren Forderungen werden wir Themen für die Bürgermeisterwahl 2018 setzen.

 

Zudem möchten wir Sie bereits darauf hinweisen, dass wir für Samstag, den 24. Februar 2018 ein größeres Event am FH-Gebäude planen (Arbeitstitel ‚FH im Spotlight‘). Wir wollen das FH-Gebäude künstlerisch illuminieren und mit einem Fest der Möglichkeiten sichtbar machen, welche Inhalte und Funktionen wir uns für die Mitte dieser Stadt wünschen. Noch ist es nicht zu spät zu Behutsamkeit in der Stadtentwicklung zurückzukehren und den Verkauf der wichtigsten öffentlichen Flächen der Stadt zu verhindern.

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(1) S. https://magazin.spiegel.de/SP/2017/26/151742021/index.html
(2) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/stadtplanung-make-potsdam-schoen-again-14953237.html und http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/potsdamer-garnisonkirche-fragwuerdiges-rekonstruktionsprojekt-15308380.html
(3) Arte Metropolis vom 30.4.2017 s. https://www.youtube.com/watch?v=srgbpc72rEo
(4) http://mediathek.rbb-online.de/tv/Die-rbb-Reporter/Kampf-um-Potsdams-Mitte/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=16269336&documentId=40600326 und http://mediathek.rbb-online.de/tv/Die-rbb-Reporter/Wem-geh%C3%B6rt-Potsdams-Mitte/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=16269336&documentId=48161760
(5) http://stadtmittefueralle.de/2017/08/02/kaufangebot-fu%CC%88r-die-fachhochschule/

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