„Stadtentwicklung absurd“

Pressemitteilung vom 05.03.2018 zum Ergebnis des Szenarioworkshops “Kreativwirtschaft in der Potsdamer Mitte”

 

Am 24.02.2018 fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit der letzte Termin eines dreiteiligen Szenarienworkshops zur dauerhaften Verortung der Kreativwirtschaft in der Potsdamer Mitte statt. Im Ergebnis soll im Bereich der ehemaligen Feuerwache ein Neubau entstehen, der 10.000qm Fläche für kreativwirtschaftliche Nutzungen und weitere 10.000qm für Wohnen und Gastronomie bietet. Zu dieser Entwicklung und dem Beschluss des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche, die Zwischennutzung des Rechenzentrums als Kunst- und Kreativhaus trotz dieses Ergebnisses nur für “ein bis zwei Jahre” zu ermöglichen, nehmen wir wie folgt Stellung:

„Stadtentwicklung absurd“

 

Während am Alten Markt ein intaktes Gebäude mit einer flexibel veränderbaren Stahlbeton-Skelettkonstruktion und über 18.000qm Fläche abgerissen wird, soll nun auf dem ehemaligen Gelände der Feuerwache / im Bereich Langer Stall ein Neubau in fast identischer Größenordnung realisiert werden.

Grundsätzlich ist ja sehr erfreulich, dass die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung erkannt haben, dass kulturelle und kreativwirtschaftliche Nutzungen in die Mitte dieser Stadt gehören. Es wird jedoch absurd, wenn man sich vor Augen hält, dass sich insb. das FH-Gebäude am Alten Markt hervorragend für diese und weitere Nutzungen anbietet und in Betracht zieht, dass sein Abriss lediglich ästhetisch motiviert ist – ohne Not erfolgt – während ein Neubau mit erheblichen Kosten und Anstrengungen verbunden ist.

kurzer Vergleich Neubau – Nachnutzung FH-Gebäude

 

Während eine Sanierung des FH-Gebäudes – unabhängig davon, ob es seine heutige Erscheinung behält oder überformt wird – mit ca. 1.000 € Kosten pro qm realisierbar ist im Neubau mit Kosten von mindestens 3.000 € pro qm zu rechnen.

 

Während das FH-Gebäude hervorragend mit dem Nahverkehr angebunden ist und vielfältige Beziehungen zu Institutionen in seiner Nähe aufnehmen kann, müssen die Raumstrukturen, Erschließung und Anbindung beim Neubau erst aufwändig und sehr sorgfältig geplant werden.

 

Während kulturelle und kreativwirtschaftliche Nutzungen im FH-Gebäude größtmögliche Präsenz erlangen und mit Schaufensterfunktionen für das Land Brandenburg und den Wissenschaftsstandort gekoppelt werden können, bedeutet ein Neubau im o.g. Bereich eine Hinterhofsituation.

 

Verhalten der Stiftung Garnisonkirche untragbar

 

Unerklärlich ist uns, wie die Stiftung Garnisonkirche in diesem Thema verhält: Die Verträge für die Kreativen sollen lediglich „um ein bis zwei Jahre“ verlängert werden – obwohl sich alle Beteiligten eine Verlängerung bis 2023 zum Ziel gesetzt haben, obwohl die Stadtverordneten jüngst beschlossen, Mehrkosten durch den zumindest vorübergehenden Verbleib des Rechenzentrums zu übernehmen und obwohl – wie auch seitens der Stiftung Garnisonkirche gefordert – ein Verfahren auf den Weg gebracht wurde, dass eine dauerhafte Verortung der Kreativwirtschaft sichern soll.

Die Verlängerung bis 2023 hätte den Nutzer*innen des Rechenzentrums, aber auch den Verantwortlichen in der Stadt dringend nötige Planungssicherheit gegeben. Nun bleibt die Situation prekär.

Die Stiftung Garnisonkirche demonstriert hiermit deutlich, dass sie zu keinerlei Zugeständnissen bereit ist und alle Sicherheiten haben will, während sie die Öffentlichkeit über die Finanzierung ihres Vorhabens, die tatsächliche Realisierbarkeit und die spätere Funktion im Dunkeln lässt. Die Stiftung zeigt sich verantwortungslos und den Themen der heutigen Zeit gegenüber verschlossen.

 

 

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.